Das neue Wappen der Gemeinde Breitscheid geht auf Anregungen aus der Bevölkerung zurück. Als Motiv wurde einmal ein Topf gewählt, der das jahrhundertealte - vor allem im 19. Jhdt. im östlichen Westerwald
blühende- Häfnerhandwerk symbolisiert. Der Topf zeigt die für Breitscheid typische Form. Die gekreuzten Schlegel und Hammer weisen auf den einst nicht weniger bedeutsamen Bergbau in dieser Region hin.
Der Löwe wiederum läßt die Zugehörigkeit Breitscheids zu Nassau erkennen und die 5 Schindeln symbolisieren die heutigen 5 Ortsteile.
Die Kerngemeinde Breitscheid ist der geographische sowie wirtschaftliche, kulturelle und verwaltungsmäßige Mittelpunkt der Gesamtgemeinde, der sie auch den Namen gegeben hat. Das 770 Jahre alte Kirchdorf
am Osthang des Westerwaldes ist nicht nur der größte Ortsteil, sondern stellt mit seinen sternförmig in alle Himmelsrichtungen auseinander gehenden klassifizierten Straßen einen bedeutenden
Verkehrsknotenpunkt des Westerwaldes dar.
Das ursprünglich landwirtschaftliche Dorf mit einer großen Tradition des Töpfer (Häfner) handwerks hat sich durch die Ansiedlung kleinerer und mittlerer Industrie- und Gewerbebetriebe strukturmäßig gewandelt.
Der wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde kommt auch bei der Festigung der Arbeitsplätze zugute, daß die Betriebe nicht einseitig ausgerichtet sind, was bei Rezessionen zu besonderen Problemen führen
kann.
Die Reichhaltigkeit der Bodenschätze rund um Breitscheid hat naturgemäß zum Entstehen entsprechender Betriebe geführt. Der Ort selbst, auf einer großen Kalkplatte gelegen, die östlich nicht oder nur sehr
gering von anderen Schichten überdeckt wird und deshalb in einem Steinbruch im Tagebau abgebaut werden kann, hat nordwestlich Braunkohlevorräte und ist im Süden mit hochwertigem Ton umgeben. Dies
alles führt zu erheblichen Problemen bei der Ausweisung neuer Baugebiete (Gewerbe - und Wohnflächen), die für die Entwicklung der Gemeinde außerordentlich wichtig sind.
In jüngster Zeit hat Breitscheid durch die Entdeckung des "Herbstlabyrinth-Höhlensystems" im Bereich Erdbach-Medenbach von sich reden gemacht. Diese Höhlen, die sich durch außergewöhnliche Schönheit
auszeichnen und mit rd. 3300 m Länge und 77 m Tiefe mit die größten in Deutschland sind, haben überregional ein großes Echo hervorgerufen. Sie sind für die Öffentlichkeit noch nicht zugänglich, da es vorerst
der weiteren Erforschung der sich windenden Gänge und bis zu 28 m hohen Hallen sowie der paläontologischen Funde bedarf.
Bereits seit den 60er Jahren sind die Erdbacher Höhlen nicht nur in wissenschaftlichen Kreisen bekannt. Die Erdbachhöhle ist mit 96 m Tiefe die größte Höhle Hessens und die tiefste nördlich der Alpen. Neben
Sinter- und Karsterscheinungen sowie Dolinenbildungen sind die Forscher auf 25 Mio. Jahre alte Reste tertiärer Großtiere wie Krokodil und Nashorn gestoßen. Fossilien, die vor ca. 350 Mio. Jahren im
Erdbacher Urmeer lebten sind ebenso gefunden worden wie Grabbeigaben einer späthallzeitlichen Bestattung aus der Zeit 600 bis 500 v.Chr. in den Steinkammern. Selbst der Neandertaler Mensch wird hier
vermutet. Dies und mehr ist in einer Ausstellung zur Erd- und Vorgeschichte im Erdbacher DGH dokumentiert und ausgestellt. Besuche sind nach Voranmeldung möglich.
Weiterhin hat die Gemeinde einen Karstlehrpfad eingerichtet, der durch die geologisch besonders interessanten Teile der Breitscheider und Erdbacher Flur führt und der auf festen Wegen durch
Naturschutzgebiete auch von Kindern ohne Schwierigkeiten begangen werden kann. Dieser ca. 4 km lange Rundkurs führt zu insgesamt 15 Stationen; entsprechende Schilder erklären die Sehenswürdigkeiten.
Der niedrigste Punkt in der Gemeinde liegt bei 266 m NN in den Erdbachwiesen und der höchste Punkt bei 595 m NN auf dem Barstein. Das bedeutet, Breitscheid ist mit seinem höher gelegenen Bereich ein
ausgezeichnetes Wintersportgebiet, wobei die 24 km Loipen nach vier Schwierigkeitsgraden gespurt werden.
Neben fast 50 km gut ausgebauter Wald- und Wanderwege, einem vorbildlichen Vereinsangebot sowie einem Freibad in Medenbach ist auch der Segel- und Sportflugplatz "Auf der Hub" mit Drachenflug und
Fallschirmspringen für Freizeitaktivitäten bestens geeignet.
Die Gemeinde Breitscheid hat in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht, um die Wohn- und Lebensqualität ihrer Bürger und ihren
Wirtschaftsstandort stetig zu verbessern, u.a. durch Bau von Kläranlagen, Sicherstellung der Wasserversorgung, Ausbau der Straßen und Ausweisung neuer Bau-
und Gewerbegebiete. Durch die kürzlich erfolgte Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen sind nun neue Perspektiven zur Verbesserung
entstanden, die für das Wohl und für die Zukunftsbeständigkeit der Gemeinde Breitscheid genutzt werden.
Geschichte von den Ortsteilen:
Kurzer Einblick in die Geschichte der fünf Dörfer