Gemeindeverwaltung Breitscheid

Geschichte von Breitscheid

Wer Sinn dafür hat, daß ihm die Vergangenheit der Heimat Erlebnis werde, der möchte auch gerne über die Anfänge und die Geschichte unterrichtet werden, insbesondere über die Zeit und die Zeit und die näheren Umstände ihrer Besiedlung.

Die ersten Jahrhunderte des Bestehens unseres Dorfes - es wird sich wohl zunächst nur um eine kleine Siedlung gehandelt haben - liegen im geschichtlichen Dunkel. Keine Urkunde gibt aus der Frühzeit der Besiedlung Auskunft. Indessen, wo urkundlich Nachrichten fehlen,leistet oft die Sprachforschung wertvolle Dienste.

Höhensiedlungen sind meist Spätsiedlungen. Diese Ansicht vertritt auch Arnold, der die Ortsnahmen mit den Endungen -hausen, -scheid, -born, wie sie auf unseren Höhen erscheinen, jünger ansetzt, als Siedlungen mit den Ortsnamenendungen -bach.

Die Ortschaften auf -scheid finden wir meistens da, wo sich etwas scheidet, d.h. wo Grenzen verlaufen Dies trifft auf Breitscheid, Rabenscheid und Liebenscheid zu, denn sie liegen an der Grenze des alten Haigerhauses.

Nachdem im 13.Jahrhundert die Ortsgründungen in der näheren Umgebung im allgemeinen zum Abschluß gekommen sind, wird man die Entstehung unseres Dorfes unbedenklich in die jüngste Periode der Orstgründungen einstufen können, nämlich in die Zeit vom 9. bis 13. Jahrhundert.

Breitscheid wird erstmalig im Jahre 1230/31 urkundlich erwähnt. Die Urkunde bezieht sich auf die Schenkung des Grafen Heinrich von Nassau (Heinrich der Reiche). Die deutsche Übersetzung der lateinisch abgefaßten Urkunde, die sich im Staatsarchiv zu Wiesbaden befindet, lautet:

"Heinrich, von Gottes Gnaden, Graf zu Nassau, entbietet allen Christergebenen Heil in aller Heil. - Ihr in der Gesamtheit sollt erfahren, daß wir zur Ehre des allmächtigen Gottes und seiner ruhmreichen Gebärerin einige freie Dörfer nach seinem Ermessen übergeben haben, zugleich auch für den Anteil unseres Bruders Robert, mit allem Recht und mit allen ihren Frondiensten für immer dem Hospital der heiligen Jungfrau Maria, des Deutschen Ordens zu Jerusalem, nämlich Frickhofen, Mühlbach, Thalheim und Hambach, welche jährlich als Zins 11 1/2 Mark und 8 Denare kölnischer Währung zahlen sollen zu allem Recht , ferner Finsternthal 3 1/2 Mark desselben Geldes zu allem Recht. - Die Dörfer Datzheim, Ober- und Niederauroff, Bedinscheit (Breitscheid) zinsen zusammen drei Mark kölnischer Währung jährlich."

Eine Urkunde aus dem Jahre 1309 regelt das Verhältnis der Mutterkirche in Herborn und der Gemeinde Breyscheydt aus Anlaß der neugebauten Kapelle in Breitscheid. Ohne Zweifel hat in Breitscheid schon vorher eine Kapelle gestanden. Die Kapellen aus den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeit in unserer Gegend sind wahrscheinlich aus Holz gebaut gewesen. Sie mögen in Fehdezeiten öfters zerstört worden sein.

Der Chor mit seinem Turm, im gotischen Stil 1309 erbaut, ist noch heute erhalten und in Benutzung. Er hat, worauf die ungewöhnliche dicken Mauern hindeuten, früher ohne Zweifel als Wehrkirche gedient.

Während sich die in der Urkunde von 1230/31 erwähnte Abgabe an den Deutschen Orden zu Jerusalem auf die Zivilgemeinde bezog, schenkte Graf Heinrich von Nassau durch Urkunde von 1231 die Einkünfte der Herborner Kirche ebenfalls dem Deutschen Orden.

Mit Rücksicht auf die damalige Zugehörigkeit der Kapelle Breitscheid zur Mutterkirche Herborn mußte unser Dorf somit zweifache Angaben an den Deutschen Orden leisten.

Ein Verzeichnis von 1398 berichtet über die Herbst- und Maibede, die unsere Bürger zu entrichten hatten. Es handelt sich hierbei um die älteste deutsche Steuer, die vom Grundvermögen der freien Bauern zu entrichten war. In der Herbstbede wurden 12 Bürger und in der Maibede 9 Bürger von Breitscheid aufgeführt, darunter ein Broster, d.h. ein Brustpanzermacher.

1594 wurden 41 Einwohner unseres Dorfes zu nicht unerhebliche Abgaben auf Grund der Türkenschätzungen herangezogen.

Man sieht hieraus, daß schon damals die Bürger unserer Gemeinde bei dem geringen Einkommen, das sich bei der kärglichen Ackerkrume und der hiesigen Höhenlage ergab, es mit Steuern und Abgaben nicht leicht hatten.

Breitscheid mußte ursprünglich, als das Dorf noch klein war, seine Toten in Herborn begraben. 1309, als unser Dorf einen eigenen Geistlichen bekam, erhielt es die Erlaubnis, bei ungünstiger Witterung seine Toten bei der Kapelle in Breitscheid zu begraben. Seit 1749 wurden die Toten auf dem Friedhof bei der Kirche der Reihe nach beerdigt, bis dahin begruben die Familien ihre Angehörigen beieinander.

Der neue Friedhof wurde 1905 errichtet.

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