A- Geschichtliches und Familienkundliches

Der erste nachweisbare Hafner in Breitscheid war Johann Markus Bechtum (1669/70—1741), der 1706 bei der Taufe eines Sohnes zum erstenmal in einem Breitscheider Kirchenbuch genannt ist, und zwar als „Ziegler". Sein Herkunftsort und das Jahr der Obersiedlung nach Breitscheid sind nicht bekannt. Als Witwer heiratete er 1711 die Witwe Anna Katharina Kuhlmann aus Breitscheid und wurde — vom gleichen Pfarrer wie 1706 — mit der Berufsangabe „ein haffner" ins Heiratsregister eingetragen. So wird an­genommen werden können, daß er von der Zieglerei, die nachher in anderen Händen war, zur Häfnerei übergegangen ist. Die, beiden Handwerke sind verwandt und wurden früher oft von denselben Personen betrieben, wobei die Häfnerei die höher zu bewertende Tätigkeit war.

Die Entwicklung bis 1800

Johann Markus Bechtum hatte in seinem Sohn Johann Jonas, geb. um 1692, einen Gehilfen (und späteren Nachfolger). Dieser Sohn trat in Breit­scheid vom lutherischen zum reformierten Glaubensbekenntnis über und heiratete 1716 als Häfnergeselle eine Breitscheiderin, deren Familie bald unter den Hafnern genannt wird. Auch den Sohn seiner zweiten Frau, Jost Henrich Kuhlmann (geb. 1698), nahm Meister Bechtum in sein Hand­werk auf. Aus Akten und Kirchenbüchern sind weitere drei Hafner im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts bekannt; sie stammten aus altansässigen Breit­scheider Familien und hatten wahrscheinlich ihr Handwerk in Herborn oder in Erdbach erlernt, wo die Häfnerei schon früher als in Breitscheid nach­gewiesen ist. Es waren:

1. Johann Jost Weyel, geb. 1686, der 1726 seine, Frau in die Zunft einkaufte und gleichzeitig einen Lehrling lossprechen ließ (HStAW 190/5255);

2. Johann Peter Georg, geb. 1692;

3. Michael Philipp Schmidt, geb. 1694, der 1712 als 18jähriger in die Zunft aufgenommen wurde (HStAW 172/2496.1); seine Nachkommen stellten im 18. Jahrhundert die meisten Häfnermeister in Breitscheid.

 

Die Zunftordnung der Hafner in Stadt und Amt Herborn vom Jahre 1712 wurde 1725 erneuert (und auf die Pfeifenbäcker ausgedehnt). In beiden „Kurbriefen" war angeordnet, daß alle Meister in Herborn ansässig sein oder bald werden sollten. Diese für die Rohstoffversorgung äußerst un­günstige, von den Herborner Hafnern aber in der Folge immer wieder neu erhobene Forderung wurde Anlaß zu langandauernden Spannungen zwischen

den Stadt- und den Landmeistern; sie waren begründet in ungleichen Wett­bewerbsbedingungen zugunsten der Landmeister und erst um die folgende Jahrhundertwende beendet. Einem in diesem Zusammenhang an die Re­gierung in Dillenburg gerichteten Schreiben vom Jahre 1750 verdanken wir die Namen der damaligen acht Häfnermeister in Breitscheid. Es hatten unterschrieben: Michael Philipp Schmidt, Johann Georg Weyel, Johann Jonas Bechtum, Johann Jost Georg, Jost Henrich Bechtum, Johann Peter Georg, Johannes Walch und Johann Henrich Cuntz. Namen von Gesellen sind nicht genannt.

Nach 1750 erschwerte die Regierung die Zulassung neuer Landmeister in die Zunft, vor allem wegen des steigenden Holzverbrauches. Anträge der Breitscheider Gesellen Johannes Braun (1759), Jost Henrich Cuntz (1759) und Johann Konrad Schmidt (1768) blieben ohne Erfolg. Braun und Cuntz versuchten, mit Hilfe einer Holzersparnis zum Ziele zu kommen, indem sie Breitscheider Braunkohlen bei Probebränden mitverbrauchten. Die, Dillen-burger Rentkammer, damals um den Absatz der Braunkohlen besorgt, unterstützte den Antrag der beiden Gesellen, konnte ihnen aber zur Auf­nahme in die Zunft nicht verhelfen (HStAW 172/4156).

Die Herborner Meister drängten um 1770 noch einmal sehr betont darauf, daß die Hafner auf dem Lande „aussterben" sollten (von einer Übersiedlung nach Herborn, wie es die Zunftordnung wollte, war schon lange keine Rede mehr). Gleichzeitig versuchten Breitscheider Gesellen wieder, als Meister in die Zunft aufgenommen zu werden — so Jost Henrich Kuhlmann d. J., Johann Henrich Lang und (der oben schon genannte) Johann Konrad Schmidt. Teils mit vorläufiger Genehmigung, teils ohne eine solche hatten sie ihr Handwerk bereits eröffnet. Nun hatte aber auch die Rentkammer Bedenken. Sie schrieb im Juli 1771 an die Regierung, die dermalige große Anzahl der Hafner verursache, daß beinahe keiner das Handwerk richtig zu betreiben imstande sei. Die Ware auf dem Markt sei „weder gehörig be­arbeitet noch genügend ausgebrannt". Daraus ist zu schließen, daß neben Konkurrenzdruck besonders durch Holzknappheit eine Güteminderung der Häfnerware eingetreten war - was allerdings in Breitscheid hätte verhindert werden können, wenn die Gemeinde nicht gerade in diesen Jahren den Köhlern viel Holz freigegeben hätte, wie die Geme,inderechnungen auswei­sen (HStAW, Abt. 190).

 

Im Juni 1775 legte die Zunft der Regierung in Dillenburg eine „bei ver­sammeltem Handwerk" beschlossene neue Satzung (wahrscheinlich eine Anlage zum Zunftbrief) zur Genehmigung vor. Darin hatten die Landmeister durchgesetzt, daß ihre Söhne in die Zunft aufgenommen werden sollten. wenn sie das Handwerk ordentlich erlernt hätten. Die Satzung wurde im folgenden Monat genehmigt und in den Dillenburger Intelligenz-Nachrichten bekanntgegeben. Aus Breitscheid hatten 13 Meister die Eingabe unterschrie­ben: Johann Jonas Bechtum d. J., Johann Georg Schmidt d. Ä., Jost Henrich

 

Be,chtum, Johann Henrich Schmidt. Johann Jost Schmidt, Jost Henrich Kuhl­mann d. J., Johann Nikolaus Uhl, Johann Jonas Weyel, Johann Konrad Schmidt, Johann Georg Schmidt d. J., Johannes Lehr, Johannes Schmidt und Johann Henrich Lang (HStAW 172/2496.2). In den 1770er Jahren waren außer den Meistern und ihren Söhnen mehrere fremde Gesellen hier beschäftigt; im Pfarrarchiv ist das „wüste Treiben der Fremden" mißfällig vermerkt. Wie später, so gab es damals auch neben­berufliche Hafner in der Dorfbevölkerung; 1776 wird erwähnt, daß der Schul­meister Johannes Thielmann (1740-1798) das Häfnerhandwerk neben dem Schuldienst betreibe.

Im Jahre 1779 weigerte sich die Zunft, den Sohn des Johann Henrich Weyel als Lehrling zuzulassen, weil der Vater nicht Hafner war. Im gleichen Jahr protestierten 15 „untertänige Knechte der Häfnerzunft" (so nannten sich die Breitscheider Meister in einem Schreiben an die Regierung) gegen die beabsichtigte Wiederaufnahme der Kalkbrennerei durch die Gemeinde; sie weisen auf die Holzknappheit hin. Bei dieser Gelegenheit wird erstmals der Zoll auf Häfnerware erwähnt: „Durch die Häfnerei in Breitscheid wird all­jährlich so viel Geld ins Land gezogen, daß wer weiß wie viele Jahre dazu gehen müßten, daß durchs Kalkbrennen nur die Hälfte solcher Summe ins Land gebracht würde. Was durch die Hafner vor Herrschaftlichen Zoll in der hiesigen Gemeinde erhoben wird, davon wird der Zollerheber am besten Nachricht erteilen können" (HStAW 173/1481.2). - Es handelte sich dabei um Ausfuhrzoll vom Verkauf von Häfnerware außerhalb des Landes Nassau-Oranien. (Für Kalk wurde der Zehnte vom Verkaufspreis erhoben).

 

Als die Hafner in Stadt und Amt Herborn 1786 zum erstenmal ihren Ton an der von der Dillenburger Regierung betriebenen Grube bei Breitscheid kaufen mußten, gab es in Breitscheid 16 Abnehmer: Johann Jost Schmidt, Johann Henrich Schmidt, Johann Peter Weyel, Johann Jonas Weyel, Johan­nes Lehr, Jost Henrich Bechtum, Johannes Jonas Bechtum, Johann Georg Schmidt d. J., Johann Philipp Marbach, Johann Henrich Lang, Johann Georg Schmidt d. M., Johannes Peter Schmidt, Johannes Schmidt, Johann Nikolaus Uhl, Jost Henrich Kuhlmann, Johann Nikolaus Heid. Sie kauften zwischen 84 und 327 Zentner Ton, im Mitte! 163 Zentner (HStAW 174/939). Der unter­schiedliche Verbrauch deutet an, daß das Handwerk ungleichmäßig be­trieben wurde — wahrscheinlich je nach Umfang der Landwirtschaft in den einzelnen Häfnerfamilien.

Zwischen 1800 und 1900

Nach 1806, als Nassau-Dillenburg zum Rheinbundstaat Großherzogtum Berg gehörte und eine französisch gesteuerte Regierung hatte, wurde die Zunft­ordnung zunächst locker gehandhabt und 1809 ganz außer Kraft gesetzt. Um diese Zeit hatte Breitscheid 75 Häuser und 22 selbständige Hafner (HStAW 226/76). Die Namen der Meister konnten aus der Grundsteuerrolle von 1811 (HStAW 370/3849) in Verbindung mit Berufsangaben in den Kir-

chenbüchern ermittelt werden. Es waren: Johann Nikolaus Heid. Johann Peter Weyel, Johannes Jonas Weyel, Johannes Lehr, Johann Jost Weyel, Johann Jost Schmidt, Johann Jonas Bechtum, Johann Henrich Bechtum, Johann Jonas Uhl, Johannes Benner, Johannes Henrich Schmidt, Johann Philipp Marbach, Johannes Gliß, Johann Georg Schmidt d. M., Johann Georg Schmidt d. J., Johannes Peter Schmidt, Johannes Konrad Schmidt, Johann Nikolaus Uhl, Jost Henrich Kuhlmann, Johann Georg Georg, Johann Adam Henning, Johann Henrich Hunius. Die nassauischen Zünfte lebten nach dem Ende der Franzosenzeit (1813) noch einmal auf, wurden aber nach dem im Jahre 1815 vollzogenen Anschluß des Dillenburger Landes an das Herzogtum Nassau 1819 endgültig aufge­löst. Nun war jeder Einwohner berechtigt, ein Handwerk zu betreiben, wenn nicht Privatrechte oder Polizeivorschriften dem Vorhaben entgegenstanden. Meisterprüfungen, wie zur Zeit der Zünfte, wurden nicht mehr gefordert. Diese Großzügigkeit dürfte jedoch im Häfnerhandwerk Theorie geblieben sein, da es ohne ordentliche Lehrzeit und ohne Weiterbildung der Gesellen nicht ausgeübt werden konnte. Ein „Pfuscher" (so die Handwerkersprache) wäre nicht konkurrenzfähig gewesen. Es ist erwiesen, daß das Gesellenwandern nach Einführung der Gewerbe­freiheit — wenn auch vielleicht in geringerem Umfang — beibehalten worden ist. Leider läßt sich nicht mehr feststellen, welche Einflüsse auf die weitere Entwicklung der Häfnerei davon ausgegangen sind, doch sind solche als sicher anzunehmen. Der Mangel an Vergleichsmöglichkeiten erlaubt aber bei dem fast vollständigen Fehlen älterer Irdenware in Breitscheid leider keine Rückschlüsse.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die gesetzliche Prüfung für Lehrlinge und auch die Meisterprüfung wieder. Aus dem Jahre 1851 ist ein Lehrvertrag mit nachstehendem Text vorhanden:

„Lehrkontrakt. — Zwischen Johann Henrich Georg und Johannes Anton Petry, beide von hier, wurde heute folgender Kontrakt abgeschlossen und diese hierüber schriftlich abgefaßte Urkunde von beiden Kontrahenten unterschrieben.

Erstens verspricht der Johann Henrich Georg, den Sohn des Johannes Anton Petry das Häfnerhandwerk so in zweieinhalb Jahren zu lehren, daß derselbe sich als Geselle der gesetzlichen Prüfung unterziehen kann. Zweitens verspricht der Johannes Anton Petry, dem Johann Henrich Georg für seinen Lehrling 35 Gulden preußisch Curant auszuzahlen und zwar die Hälfte gleich und die andere Hälfte, wenn die Lehrzeit aus ist. Drittens: Sollte der Lehrling in der Zeit nicht soviel gelernt haben, daß derselbe bei der Prüfung bestehen kann, so muß der Johann Henrich Georg denselben noch ein Jahr unentgeltlich in die Lehre nehmen. Breitscheid, den 3. Februar 1851." (Original bei Familie Paul Diehl, Breitscheid).

 

Vom gleichen Jahr ist der Meisterbrief, den Joh. Georg Wilhelm Georg, geb. 1818, nach bestandener Prüfung vor dem Bürgermeister in Herborn erwarb. Der Prüfling hatte laut Wanderbuch von 1837 bis 1840 zweieinhalb Jahre als Geselle in Oberdreis bei Altenkirchen und in Frechen bei Köln gearbeitet. Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:

„Aktum Herborn, den 14. Oktober 1851. - Es erschien der Hafner G. Wilhelm Georg 2. von Breitscheid und trug vor: Ich bin willens, mich in dem Häfnergewerbe als Meister prüfen zu lassen und bitte, mich behufs dessen den betreffenden Prüfungsmeistern zur Prüfung zu überweisen. Um diesem Ansuchen zu entsprechen, wurden die hierzu ernannten Prü­fungsmeister Adam Henning und Johannes Henrich Stahl von Breitscheid und Christian Fries von Gusternhain mit Vornahme der Prüfung beauftragt. Nachdem dieses Geschäft von den Genannten beendiget war, erschienen dieselben und erklärten, daß Georg Wilhelm Georg das vorgeschriebene Prüfungsstück: 1. einen großen Topf von 8 Maas (= Maß), 2. eine große tiefe Schüssel 6 Maas, 3. u(nd) einen Kaffeekessel, 4 Maas haltend, in ihrem Beiseyn meistermäßig gearbeitet habe. Demgemäß wurde Georg Wilhelm Georg 2. von Breitscheid in den Stand als Meister zu treten für fähig erklärt, welches demselben hiermit von uns pffichtmäßig beurkundet wird." Es folgen die Unterschriften der Prüfungsme,ister und des Bürgermeisters Döring. (Original bei Familie Karl Georg, Breitscheid.)

 

Im Jahre 1865 gab es in Breitscheid 30 Häfnereien (2); dies dürfte der Höchststand gewesen sein, der sich in der Folge langsam verringerte. Die Namen der Werkstattinhaber sind nicht genau zu ermitteln, da die Kirchen­bücher nur die Bezeichnung „Hafner" anführen und nicht zwischen Meistern und Gesellen unterscheiden. Dagegen nennt die Klassensteuerrolle von 1885/86 (Gemeindeakte im HStAW, Abt. 360) die in der Häfnerei beschäftig­ten 54 Personen genau mit ihrem handwerklichen Stand als Meister, Mei­sterswitwen, Gesellen und Gehilfen - letztere wahrscheinlich Lehrlinge und nicht ständig Beschäftigte. Es sind 40 Familien mit zusammen 176 Personen und 14 Einzelpersonen verzeichnet. Demnach ernährte sich von den dama­ligen 741 Einwohnern stark ein Viertel dem Häfnerhandwerk (neben klei­ner Landwirtschaft).

Obwohl es schon vorher in Breitscheid einen Gewerbeverein gab, gründeten die Hafner im Jahre 1887 eine eigene Innung. Im Statut derselben heißt es (§ 1): „Sitz ist zu Breitscheid. Ihr Bezirk umfaßt den Bezirk der Gemeinde Breitscheid sowie der Nachbargemeinden, welche sich nachträglich zum Beitritt melden." Das Innungsstatut, vom Bezirks-Ausschuß in Wiesbaden am 16. Juli 1887 genehmigt, wurde zwar gedruckt, die Innung selbst hat aber anscheinend nur auf dem Papier bestanden. Von älteren Hafnern war nichts über sie zu erfahren, ebenfalls ist von einem Vollzug der vorgeschrie­benen Gesellen- und Meisterprüfungen nichts bekannt. Ein Exemplar des in Herborn gedruckten Büchleins ist noch vorhanden.

Anfang 1888 versuchte das Landratsamt in Dillenburg, die Breitscheider Mäfner für den Eintritt in die Ortskrankenkasse des Amtes Herborn zu gewinnen. Diese lehnten ab mit der Begründung, daß ihre neue Innung eine eigene Krankenkasse einrichten wolle; in eine andere Kasse würden sie nicht eintreten. Aber auch über eine Innungskrankenkasse ist hier nichts bekannt. Vermutlich scheiterte die Gründung an der geringen Zahl der Teil­nahmewilligen; es hatten sich nur 13 Meister, 11 Gesellen und 3 Lehrlinge (etwa die Hälfte der Berechtigten) zum Beitritt bereit erklärt. Ironisch schrieb der Leiter der Ortskrankenkasse Herborn, Emil Wurmbach, im Juli 1888 an das Landratsamt: „Die winzig kleine Hafner-Innung scheint etwas an Grö­ßenwahn zu leiden und gar keinen Begriff von der Bedeutung und dem Wesen einer Ortskrankenkasse zu haben" (HStAW 410/218). In diesem Zusammenhang wurde der Bürgermeister in Breitscheid vom Landratsamt in Dillenburg aufgefordert, eine Liste der Meister, Geseilen und Lehrlinge des Häfnerhandwerks vorzulegen. Der Bericht, aus dem die Besetzung der damaligen 28 Häfnereien zu ersehen ist, enthält das letzte amtliche Namenverzeichnis der Breitscheider Hafner im vorigen Jahrhundert. Nach der Aufstellung des Bürgermeisters arbeitete

 

1. Louis Reeh (Hausname: Hoose) mit Schwiegersohn Ernst Thielmann,

2. Heinrich Gustav Keßler mit Sohn Adolf,

3. Reinhard Reeh (HN: Reinhards) mit Sohn Ferdinand und Schwiegersohn Friedrich Hisge,

4. Wilhelm Hisge (HN: Hisges) mit Sohn Wilhelm,

5. Friedrich August Thielmann (HN: Grußjonese) mit August Ferdinand Kolb,

6. August Thielmann (HN: Bechtums) mit Schwiegersohn Wilhelm Gail.

7. Johannes Heinr. August Reeh (HN: Reehe) mit Sohn Wilhelm,

8. Ludwig Heinrich Thielmann (HN: Heide) mit Reinhard Rompf (Gustern­hain),

9. Ferdinand Gail ohne Geselle,

10. Heinrich Reeh (HN: Dapperts) mit Sohn Albert und Heinrich Schmidt,

11. Wilhelm Heinr. August Weye! (HN: Hohmanns) mit Schwager Karl Fer­dinand Georg (HN: Fesch, später Fridolins).

12. Wilhelm August Stahl (HN: Sandersch) mit Albert Schmidt (HN: Jörje),

13. Fridolin Benner mit Sohn Wilhelm und August Imme!,

14. Friedrich Wilhelm Reeh (HN: Katzeweihersch) mit Sohn Adolf,

15. Heinrich Kolb (HN: Kutschersch) ohne Geselle,

16. Wilhelm Heinrich Weyel 2. (HN: Kolwe) ohne Geselle,

17. Rudolf Thielmann (HN: Älwerte) mit Reinhard Schmidt,

18. Friedrich Wilhelm Schmidt (HN: Fesch) mit Sohn Heinrich.

19. Heinrich Reinhard Thielmann (HN: Fesch) mit Sohn August,

20. Martin Thielmann (HN: Martins) mit Reinhard Rompf(?),

21. Heinrich Weyel (HN: Grußjonese) mit Adolf Heinrich Kolb (HN: Reehches),

22. Ferdinand Thielmanns Witwe (HN: Frörje) mit Sohn Theodor,

23. Ferdinand Bechtum (HN: Binnersch) mit Friedrich Immel,

24. Johannes Adolf Thielmann (HN: Adolfs) mit Wilhelm Lupp,

25. Ferdinand Hisge ohne Geselle,

 

26. Fridolin Thielmann (HN: Jörje) ohne Geselle,

27. Johannes Ferdinand Thielmann (HN: Aßmannshannese) mit Friedrich August Petry (HN: Zilletter),

28. Heinrich Rudolf Thielmann (HN: Dillmanns) mit Heinrich Lupp.

(Anmerkung: Die unter den Nummern 8, 20, 24 und 28 des Verzeichnisses aufgeführten Meister waren Brüder.)

Breitscheider Hafner In einer Siegerländer Werkstatt

En der Klassensteuerrolle von 1885/86 wird der Häfnermeister Wilh. Immel genannt, im Bericht des Bürgermeisters vom August 1888 dagegen nicht mehr. Verluste im Handwerk hatten ihn gezwungen, die Selbständigkeit aufzugeben, doch fand er bald wieder Beschäftigung in seinem Beruf, als der Bäcker- und Konditormeister Wilhelm Faust in Niederscheiden/Sieg als Nebenerwerb eine Häfnerwerkstatt einrichtete, aus Breitscheid/Erdbach Ton bezog und (außer W. Imme! als Meister) weitere Breitscheider Hafner einstellte (3), die in wechselnder Folge ins Siegerland gingen, wenn in Breit­scheid die Häfnerarbeit knapp war. - In dem gewerbereichen Land an der Sieg waren die Ansprüche der Käufer höher und die Umsätze besser als im Westerwald, so daß es dort möglich war, neue Formen - besonders bei Kaffeekannen und Eierkäseseihen - zu entwickeln und bessere Glasuren anzuwenden, wie es die aus dieser Zeit noch vorhandenen Gegenstände zeigen.

Der kleine Betrieb in Niederscheiden wurde 1909/10 geschlossen; als letzter Hafner hat Heinrich Lupp (später Postagent in Breitscheid) dort gearbeitet. Die anderen Breitscheider waren nach der Jahrhundertwende wieder in ihrem Heimatort geblieben, wo sie — wenn nicht im Handwerk — nun Arbeitsplätze in der neuen Fabrik fanden.

Von 1900 bis zum Ende der Häfnerei 1972

Mit dem Aufkommen der Industrie in Breitscheid um 1900 ging das Häfner-handwerk fast schlagartig auf die Hälfte seines Bestandes zurück; von 24 Meistern Ende der 90er Jahre waren 1901 nur noch 12 oder 13 tätig, ähnlich war es bei den Gesellen. Nach und nach gaben weitere Meister das Handwerk auf. Beim Kriegsausbruch 1914 arbeiteten noch selbständig: Ernst Thielmann (HN: Hoose), Wilhelm Reeh (HN: Reehe), Richard Weyel (HN: Fesch), Albert Thielmann (HN: Älwerte), Theodor Thielmann (HN: Frörje). Heinrich Adolf Thielmann (HN: Adolfs), Wilhelm Benner, Johs. Ferdinand Thielmann (HN: Aßmannshannese), Wilhelm Lupp und Reinhard Thielmann (HN: Dillmanns). Etwa die gleiche Zahl Meistersöhne oder ältere Gesellen waren mittätig — die letzteren nicht regelmäßig. Von den Meistern war Richard Weyel am besten vorgebildet. Er hatte um die Jahrhundertwende mit behördlicher Unterstützung die Keramische Fach-

schule in Höhr besucht und einige Jahre nebenberuflich den Zeichenunter­richt an der Fortbildungsschule in Breitscheid gehalten. „In seiner Werkstatt am Gusternhainer Weg... fertigte er dann feinere Tonwaren an, die guten Absatz fanden..." (Heimatchronist R. Kuhlmann, um 1920). Mehrere von ihm gearbeitete Gegenstände kunsthandwerklicher Art sind noch im Besitz der Familie.

Im Weltkrieg 1914/18 gingen zwei Werkstätten ein, und zwar die des Johs. Ferdinand Thielmann, der 1914 und dessen Sohn Reinhold 1915 starb, und die des Richard Weyel, der als Soldat aus dem Krieg nicht zurückkehrte. Auch unter dem Häfnernachwuchs gab es Ausfälle; die Meistersöhne Fridolin Benner und Louis Thielmann (HN: Hoose), beide 1898 geboren, fielen in den letzten Kriegswochen an der Westfront.

Nach Kriegsende entstand in Breitscheid noch einmal eine neue Häfnerei. Der aus Haiger stammende und hierher verheiratete Modelleur Karl Schwehn (1881—1939) hatte 1910 einen kleinen Betrieb zur Herstellung von Tonfiitern eröffnet. Er stellte diesen 1919 des besseren Absatzes wegen auf die An­fertigung von Blumentöpfen und irdener Haushaltsware um und beschäftigte Breitscheider Häfnergesellen (zeitweise auch einen Maler aus Frankfurt). Die einsam am Medenbacher Weg vor dem Dorfe gelegene Werkstatt -„Schwehns Häus'che" — brannte 1927 ab und wurde nicht wieder auf­gebaut.

In dem Jahrzehnt zwischen 1920 und 1930 beendeten vier Meister ihre selbständige Arbeit: Ernst Thielmann, Wilhelm Reeh mit Sohn Karl, Theodor Thielmann mit Sohn Emil und Wilhelm Lupp mit Sohn Reinhold. Es ist zu bedauern, daß der handwerklich hochbegabte Reinhold Lupp (1900—1968), der kurze, Zeit — von der Kreisverwaltung unterstützt — die Fachschule in Höhr besucht hatte, den kleinen Betrieb des Vaters nicht weiterführen konnte. Er ist nachher als Geselle in anderen Werkstätten tätig gewesen, hat auch zeitweise mit der Drehscheibe die ländlichen Schulen besucht und seine, Handwerkskunst dort vorgeführt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs waren in Breitscheid vier Meister tätig: Albert Thielmann mit Sohn Rudi, Heinrich Adolf Thielmann mit Sohn Wilhelm, Moritz Benner mit Sohn Franz und Reinhard Thielmann mit dem als Nach­folger vorgesehenen Gesellen Friedrich Thielmann (HN: Franze). Die jungen Hafner Wilhelm und Friedrich Thielmann kamen aus dem Krieg nicht zurück. Heinrich Adolf Thielmann schloß 1943 seine Werkstatt, als sein Sohn nicht mehr lebte und er 66 Jahre alt war. In den Mangeljahren der Nachkriegszeit erlebten die drei letzten Häfner­meister noch einmal eine Blütezeit ihres Handwerks. Der Bedarf an Ge­brauchsgegenständen war groß, und die Beschaffung der Rohstoffe machte - im Gegensatz zu anderen Gewerben - keine Schwierigkeiten. Das än­derte sich mit der Währungsumstellung 1948. Nun ging die Nachfrage nach

 

einfachen irdenen Haushaltswaren zurück; für bessere Waren der kerami­schen Erzeugung — Kannen, Krüge, Vasen und Wandteller — aber fehlte den Käufern in den ersten Jahren des wirtschaftlichen Aufstieges noch das Geld. Moritz Benner begann in dieser Zeit mit dem Obergang zu kunsthand­werklicher Ware und neuem Dekor; der Umsatz reichte jedoch nicht aus, um dem Handwerk Auftrieb zu geben.

 

Der kinderlose Reinhard Thielmann verpachtete aus Altersgründen 1949 seine Werkstatt an den Hafner Karl Reeh, geb. 1899, dessen väterlicher Betrieb in den Inflationsjahren nach dem Ersten Weltkrieg eingegangen war und der später als Geselle gearbeitet hatte. Er starb jedoch schon 1951, so daß auch diese Häfnerei nicht weitergeführt wurde. Im gleichen Jahr gab Moritz Benner die Selbständigkeit auf. Er trat späier wieder als Altgeselle bei Rudi Thielmann ein, der allein als Inhaber einer Häfnerei übriggeblie­ben war.

Nach der Währungsumstellung hatten die Bewohner des Siegerlandes ihr Interesse an dem irdenen Kaffeekessel, der für sie eine, Erinnerung an die alte Haubergswirtschaft bedeutet, wiederentdeckt. Sie nannten ihn (nach dem früheren umherziehenden Händler) „Siegerländer Mäckes" und wünsch­ten diese, Bezeichnung als Aufschrift, die es hier vor dem Kriege nicht gab. Auch das Westerwälder Nationalgericht, der „Eierkäse", gewann neue Freunde, und die dafür gebrauchte Form, die Eierkäseseihe, wurde mehr verlangt. Diese beiden althergebrachten Gegenstände, der Breitscheider Häfnerei waren in den zwei letzten Jahrzehnten die am meisten angefer­tigte Ware.

Wären die beruflichen Aussichten in der Häfnerei günstiger gewesen, dann hätte, ein neuer Handwerksbetrieb in Breitscheid eröffnet werden können, als 1954 der Töpfermeister Walter Hörn für dauernd hier zuzog. Geboren 1911 in Freiwaldau/Schlesien, kam er 1933 nach Breitscheid, arbeitete bis 1937 als Geselle bei Moritz Benner und ging dann in einen anderen Beruf. Im ersten Nachkriegsjahr übernahm W. Hörn, seit 1940 in Breitscheid ver­heiratet, den Witwenbetrieb Bauer in Lauterbach/Hessen, machte die Mei­sterprüfung und führte diese Töpferei bis 1954. Nach der Rückkehr war er in der Breitscheider Schamottefabrik tätig. Sein Handwerk hier wieder auf­zunehmen, war bei den hohen Einrichtungskosten und den schwindenden Umsätzen damals nicht möglich.

Rudi Thielmann mußte die Häfnerei 1964 für kurze Zeit eingehen lassen, konnte sie aber bald wieder aufnehmen. Im Jahre 1967 brannte seine Werk­statt, das Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts errichtete „Bäuche" am Alten Hüttenweg, ab. Der Neubau an gleicher Stelle erhielt als Einrichtung Strangpresse und Elektroofen; Motordrehscheiben waren schon vorher vorhanden.

Nach dem Tode ihres Mannes (1969) führte Frau Thielmann mit Moritz Benner als Fachkraft den kleinen Betrieb weiter bis 1972. Als dann der SOjährige Mitarbeiter ausschied und sich für das Anwesen kein Fachmann als Käufer fand, wurden Grundstück und Werkstatt an den Bauunternehmer Franz Thielmann in Breitscheid verkauft. Damit hatte die mehr als zwei­einhalb Jahrhunderte alte Breitscheider Häfnerei ihr Ende erreicht.

Ableger Breitscheider Häfnereien

Als Ableger sind auswärtige Neugründungen zu verstehen, nicht auch Ein­heiraten hiesiger Gesellen in Meisterfamilien außerhalb Breitscheids.

1746 heiratete der Meisterssohn Jahnnes Georg, geb. 1722, nach Gustem-hain und machte sich dort selbständig. Das Häfnerhandwerk bestand in Gusternhain bis 1912.

1761 genehmigte die Regierung in Dillenburg — zunächst auf drei Jahre — dem Hafner Jost Henrich Cuntz aus Breitscheid, in Arborn, dem Heimatort seiner Frau, einen Brennofen zu bauen (HStAW 172/2496.1). Weiteres über die Ausübung des Handwerks in Arborn ist noch nicht ermittelt.

1809 zog der aus Schönbach stammende Jost Henrich Haas, geb. 1782, der in Breitscheid gelernt und die Meisterstochter Anna Katharina Heid geheiratet hatte, in sein Heimatdorf zurück und eröffnete eine Häfnerei. Als er später Förster in Schönbach geworden war (1835 wird er als solcher genannt), führten sein Sohn und einige aus Erd­bach zugezogene Hafner das Handwerk in Schönbach weiter.

1816 oder wenig später übersiedelte Johann Henrich Schmidt, geb. 1778, mit Familie nach Langenaubach und wurde dort — laut Kirchenbuch Haiger - als „Landmann und Töpfer" tätig. An seine Häfnerei erinnert man sich in Langenaubach noch. — Sein Sohn Johann Henrich, geb. 1809, heiratete 1838 in eine Häfnerfamilie in Winkels bei Mengers-kirchen ein, wo er später Meister wurde.

1835 verzog Johannes Peter Schmidt, geb. 1799, mit Familie nach Ober-dreis bei Hachenburg und gründete dort eine, Häfnerei/Töpferei, die heute noch besteht. Seine Nachkommen, Töpfermeister Karl Schmidt und Sohn, stellen neben den in eigener Werkstatt entwickelten Ge­genständen auch noch immer Gefäße der Breitscheider Häfnertradition her — so u. a. Eierkäseseihen.

1934 heiratete der Meisterssohn Karl Benner, geb. 1905, nach Waldaubach und baute dort eine Werkstatt mit Ofen. Er hatte einige Jahre in aus­wärtigen Betrieben gearbeitet, manches Neue gelernt und konnte sich von seinem Können her einen Erfolg versprechen. Da aber in dieser Zeit eine Neugründung doch nicht mehr lohnend war, bestand seine Häfnerei nur zwei Jahre.a

 

Häfnerhandwerk und Bevölkerungsbewegung

Der Einfluß des Häfnerhandwerks auf die, Bevölkerungsbewegung kann nur in einem Dorfsippenbuch, das allen Verzweigungen der Familien nachgeht, erfaßt werden. Da ein solches hier nicht vorhanden ist, wird nachstehend aus noch unvollständigen Stammtafeln der Zu- u. Abgang von Hafnern auf­gezeigt, wobei die vorerwähnten Gründer auswärtiger Werkstätten nicht noch einmal genannt werden. Die im vorigen Jahrhundert nach Amerika ausgewanderten fünf Häfnerfamitien sind mitaufgeführt, weil angenommen werden kann, daß eine Überbesetzung des Handwerks ihren Entschluß be­einflußt hat. (4)

Zuziehende oder Einheiratende waren: 1706 Johann Markus Bechtum mit Familie, 1729 Johann Henrich Cuntz aus Schönbach, 1745 Johannes Walch aus Marburg, 1752 Johann Henrich Benner aus Kohden bei Nidda, 1764 Johannes Benner, Bruder des Vorgenannten,

1772 Johannes Lehr aus Nidda/Hessen,

1773 Johann Nikolaus Uhl aus Nidda,

1774 Johann Henrich Hunius aus Gusternhain, Vater aus Diez,

1775 Johann Philipp Marbach aus Herborn, Vater aus Marburg, 1782 Johann Nikolaus Heid aus Steinau an der Straße/Hessen, 1796 Johannes Gliß aus Schlitz/Hessen, 1803 Jakob Henrich Haas aus Schönbach, 1806 Jost Henrich Haas, Bruder des Vorgenannten, 1811 Johann Adam Henning aus Schlitz, 1826 Johann Jost Dapper aus Schönbach, 1833 Johann Ge.org Gail aus Gusternhain, 1933 Walter Hörn aus Freiwaldau.

(Anmerkung: Die Familien Cuntz, Walch, Lehr, Uhl, Hunius, Marbach, Heid, Haas und Dapper sind im Mannesstamm nicht mehr in Breit­scheid vertreten. Hausnamen erinnern noch an einige von ihnen, und Nachkommen über weibliche Linien leben in vielen Familien mit anderen Namen.)

Ab- oder ausgewandert sind:

1752 Johann Henrich Benner mit Frau nach Amerika, 1814 Johann Henrich Hunius jr. nach Diez, 1822 Johann Henrich Paulus nach Frechen bei Köln, 1832 Johann Peter Paulus nach Frechen, 1837 Johann Henrich Georg nach Frechen, 1845 Johann Henrich Petry mit Familie nach Amerika, 1845 Johann Henrich Braun mit Familie nach Amerika, 1849 Johann Henrich Schmidt 3. mit Familie nach Amerika, 1860 August Heinrich Schmidt nach Oberbieber bei Neuwied,

1861 Johannes Henrich Dapper nach Winkels/Westerwald, 1866 Wilhelm Stahl nach Gusternhain, 1869 Wilhelm Stahl 2. nach Winkels,

1871 Johannes Weyel nach Schönbach,

1872 Adolf Heinrich Weyel nach Schönbach, 1874 Karl Wilhelm Theodor Hisge nach Gusternhain, 1886 Heinrich August Gail mit Familie nach Amerika, 1886 Friedrich Jul. Thielmann mit Familie nach Amerika.

 

Es fällt auf, daß zwar die stärkste Zuwanderung aus Hessen kam, die In­landsabwanderung aber ihren Weg in südliche und westliche Richtung nahm und nicht ins ostwärts gelegene Hessenland. Weiter ist bemerkenswert, daß das Kannenbäckerland übergangen wurde; von dort ist auch kein Zuzug verzeichnet. Offenbar bestand kein Anreiz zwischen Hafnern und Eulern, den jeweils anderen Zweig des Handwerks kennenzulernen. Nur Richard Weyel hat im Zusammenhang mit seinem Fachschulbesuch in Höhr dort kurze Zeit als Geselle gearbeitet.

Eine Zusammenstellung der aus Akten und Kirchenbüchern ermittelten Häfnerfamilien in Breitscheid enthält 38 Namen. Es sind folgende: Bechtum, Benner, Braun (B), Cuntz, Dapper, Enders, Fesch (B), Gail, Georg (B), Gliß, Göbel (B), Haas, Heid. Henning, Hisge, Hunius, Hörn, Immel, Keller, Keßler, Klaas, Kolb (B), Kuhlmann (B), Lang, Lehr, Lupp, Marbach, Nix (B), Paulus (B), Petry (B), Reeh (B), Schmidt (B), Stahl (B), Thielmann (B), Uhl, Walch, Weber (B), Weyel (B). — Die mit (B) gekennzeichneten Familien waren schon vor der Einführung der Häfnerei hier ansässig; von ihnen sind einige, Namen in den Stammtafeln der Hafner besonders häufig vertreten, und zwar: Reeh (15mal), Georg (16mal), Weyel (24mal). Schmidt (38mal) und Thielmann (40mal).

Durch Heiraten innerhalb des Handwerks waren viele Famiilen miteinander verwandt; im 18. Jahrhundert hat das die Aufnahme in die Zunft erleichtert, besonders für die fremden Gesellen. Eine Gruppenbildung oder soziale Ab­grenzung gegen andere Einwohnerschichten - Bauern, übrige Handwerker, Bergleute oder Arbeiter - hat sich daraus nicht ergeben. Die anteilmäßige Vertretung der Häfnerfamilien in den Ehrenämtern der Gemeinde (Bürger­meister, Vorsteher, Kirchenältester) beweist ihre gesellschaftliche Gleich­stellung in der Dorfgemeinschaft.

 

 

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