Karst- und Höhlenlehrpfad


(PDF-Flyer)

Unter unseren Füßen... der Karst

Viele wissen, was Basalt ist, aber wer kennt diesen fremdartigen Ausdruck «Karst»? Und doch sind 12% Deutschlands tatsächlich Karstgebiet mit über 10.000 Höhlen. Der Karst weist viele Besonderheiten auf. Die unterirdischen Wasserläufe z.B. sorgen für manche Überraschung. So auch der in Breitscheid im sogenannten Kleingrubenloch verschwindende Erdbach, welcher erst am Rande des gleichnamigen Dorfes nach ca. 1,3km Luftlinie und 112m tiefer wieder zu Tage tritt. Auf dem Weg durch das Kalkgestein verdoppelt sich seine Wassermenge durch unterirdische Zuflüsse von durchschnittlich 40 l/s auf 80 l/s am Wiederaustritt. 

Ein Karst- und Höhlenlehrpfad – für wen und wozu?

Dieser für Hessen ganz besondere Weg wendet sich an die breite Öffentlichkeit: angefangen bei interessierten Besuchern, Wanderern, bis hin zum Breitscheider Spaziergänger, die die Umgebung, in der wir leben, verstehen wollen und all diejenigen, die sich für die Natur und deren Schutz interessieren. Gehen wir miteinander auf eine spannende Entdeckungsreise!

Was ist Karst?

Der Begriff «Karst» stammt aus der Region Kras, die nahe Triest im Grenzgebiet von Italien und Slowenien liegt, wo die besonderen Formen der Kalklösung erstmals beschrieben wurden. Der Begriff wurde dann für alle Landschaften übernommen, die ähnliche Formen aufweisen, sogenannte Karstgebiete. Einige Gesteinsarten, insbesondere bei uns der Kalkstein, (aber auch Gips und Dolomit) werden durch Niederschlagswasser gelöst, welches so die Landschaft modelliert und die typischen Karstformen schafft: Dolinen, Trockentäler, Bachschwinden (Ponore), Karstquellen und Höhlen, die alle als typische Karsterscheinungen gelten und welche man auf dem Lehrpfad auf kleinstem Raum entdecken kann. Verkarstung nennt man den Vorgang, bei dem wasserlösliche Gesteine durch Niederschlagswasser mit Hilfe von Kohlendioxid (CO2) aufgelöst werden. Dieses Wasser dringt durch Spalten in das Gestein ein und erweitert diese über lange Zeiträume zu größeren Hohlräumen, durch welche die oberirdischen Bachläufe im Untergrund verschwinden können. 

Schützenswerte Landschaft

Ober- und unterirdischer Karst (Höhlen) ist ein wertvolles Naturerbe. Karstformen wie Dolinen (durch Hohlräume im Untergrund entstandene Einbrüche an der Erdoberfläche) sind typische Landschaftselemente rund um Breitscheid. In den hiesigen Höhlen verbirgt sich eine große Vielfalt von Tropfsteinformen; Höhlen sind reich an archäologischen und paläontologischen Fundstellen, die hier, geschützt vor den Extremen des Wetters und des Klimas oder auch vor menschlichen Eingriffen, erhalten geblieben sind. Um diese Landschaften zu schützen (eines der Ziele dieses Lehrpfades) muss z.B. gezeigt werden, weshalb das Verfüllen einer Doline der Bodenstabilität nicht förderlich ist, oder weshalb Verschmutzungen an der Oberfläche – auf Grund der geringen Filterwirkung des Karstes – die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Es gibt zwar Gesetze zum Schutz des Karstgebietes, doch das verantwortungsvolle Verhalten jedes Einzelnen (Wanderer, Landwirt, Gemeinde, Unternehmer, Höhlenforscher ...) trägt erst zum Erhalt dieser einmaligen Natur bei.
Devonischer Massenkalk
Im Ober-Devon, vor ca. 380 Millionen Jahren, befand sich das Gebiet um Breitscheid weiter südlich im Bereich des Äquators und wanderte erst durch die Prozesse der Plattentektonik im Laufe der Zeit an die heutige Position. Damals befand sich hier ein Vulkan unterhalb des Meeresspiegels, der bis nahe an die Wasseroberfläche reichte. Um die Vulkanspitze herum konnte sich im flachen, warmen Wasser ein tropisches Riff aus kalkbildenden Organismen ansiedeln, welches atollartig ausgebildet war. Bei den Rifforganismen handelte es sich zum größten Teil um Stromatoporen und verschiedene Arten von Korallen. Im Laufe der Zeit bildete das Riff einen über 300m dicken Kalkstein. Am Ende des Ober-Devons kam es zu einer stetigen Absenkung des Meeresbodens, die im Laufe der Zeit so stark wurde, dass die Rifforganismen abstarben. Während des Karbons vor ca. 350–250 Millionen Jahren kam es zur Gebirgsbildung des Rheinischen Schiefergebirges. Dabei wurde das ehemalige Riff über den Meeresspiegel hinaus gehoben und das Gebiet um Breitscheid war nunmehr Festland. Somit konnte die oberflächliche Verkarstung beginnen.

Ein Trockental

Die Gasseschlucht ist ein Trockental, das sich von der Breitscheider Hochfläche Richtung Osten bis Erdbach zieht. Ihre Entstehung ist auf den einst oberirdischen Abfluss des heute unterirdisch verlaufenden Erdbachs zurückzuführen. Der Karst- und Höhlenlehrpfad sowie auch der Westerwaldsteig und eine Rothaarsteigspur führen durch diesen imposanten Geländeeinschnitt, welcher bereits 1926 unter Naturschutz gestellt wurde.
Die Dolinen
Das Besondere einer Karstlandschaft sind die vielen Dolinen, von denen heute jedoch nur noch wenige erhalten sind. Dolinen entstehen durch Lösungsprozesse des Kalksteins und können viele Meter tief sein. Die meisten wurden in den letzten 50 Jahren mit Müll verfüllt oder sind überbaut. Einige besonders sehenswerte Dolinen sind als Naturdenkmal geschützt und können im Rahmen dieser Wanderung besichtigt werden.
 Bäche, die in den Untergrund verschwinden
Bäche, die plötzlich in den Untergrund verschwinden faszinieren die hier lebenden Menschen schon seit Generationen. Dort wo das Wasser von den Berghängen kommend auf den Kalkstein trifft, kann es seine volle Lösungskraft entfalten und den rissigen Fels über Jahrmillionen zu großen Höhlensystemen erweitern. Auch heute noch findet dieser Prozess statt.

Höhlen

Durch die hohe Mächtigkeit des Breitscheider Kalkvorkommens und den großen Höhenunterschied zwischen Oberfläche und Vorfluter war in diesem Gebiet eine tiefreichende Verkarstung möglich. Derzeit sind 32 Höhlen im Breitscheider Gebiet erfasst. Darunter stechen das Erdbachhöhlensystem als Hessens tiefste (102m) und das HerbstlabyrinthAdventhöhlensystem als Hessens längste Höhle (weit über 12km) hervor. Der Entwicklungsprozess der Höhlen orientiert sich stark an den tektonischen und hydrologischen Gegebenheiten. So folgen die Gangrichtungen hauptsächlich den Schwächezonen, die während der Gebirgsbildung angelegt wurden, nämlich etwa in Nord−Süd und Ost−West verlaufende Richtung. Zwei weitere Höhlen sind über 100m lang, die anderen sind aufgrund ihrer Länge den Kleinhöhlen zuzuordnen. Von drei weiteren Höhlen liegen Vermessungsdaten vor, sie sind aber bereits durch den Steinbruchbetrieb abgebaut. Über eine Reihe von Höhlen, die ebenfalls abgebaut wurden, existieren Berichte. Im südwestlichen Randbereich des Karstgebietes liegen einzelne Höhlenreste offen.   

Wichtige Informationen

Die Lage der Karsterscheinungen bedingt den Routenverlauf; besonders in feuchten Jahreszeiten ist festes Schuhwerk zweckmäßig. An den wichtigen Standorten geben Erläuterungstafeln Informationen über Geologie und Landschaft, Umwelt- und Naturschutz, Grundwasser sowie die Höhlen- und Karstforschung. Der Lehrpfad berührt geschützte Natur- und Kulturdenkmale und durchquert Naturschutzgebiete. Er soll über die ökologischen Zusammenhänge in der Natur des Karstgebietes Breitscheid / Erdbach aufklären. Bitte beachten Sie die Verhaltensregeln in Schutzgebieten, besonders das Wegegebot! 

Tipp

Der Karst- und Höhlenlehrpfad kann wunderbar mit einem Schauhöhlenbesuch kombiniert werden.
Spannend und lehrreich ist insbesondere auch eine geführte Wanderung für Gruppen ab 5 Personen durch unsere zertifizierten Geoparklotsen!
Kleine Runde: 5,-€ / Person, Dauer 2h
Grosse Runde: 9,-€ / Person, Dauer 4h
Buchungen nimmt die Touristeninformation unter Tel.: 02777-913321 entgegen.

Wegbeschreibung

Der Streckenverlauf teilt sich in 2 Elemente: Die kleine und die große Runde. Die große Runde hat den Schwerpunkt Höhlen und Dolinen und bietet einen einmaligen Rund- und Fernblick, die kleine Runde zeigt Ihnen die Geheimnisse des Karstes. Die blaue Markierung auf der Übersichtskarte ist der direkte Weg vom zentralen Parkplatz am Rathaus in Breitscheid zur Schauhöhle und auch für Kinderwagen geeignet. Auch hier informieren Wegetafeln u.a. über den Höhlengang, der sich direkt unter den Füßen des Wanderers erstreckt. 

Höhenprofile, Weglänge und Zeiten

Große Runde Dauer ca. 4h, 8km, gelbe Markierung auf der Übersichtskarte
Kleine Runde Dauer ca. 2h, 3km, rote Markierung auf der Übersichtskarte
Mit dem Motto „Unter unseren Füßen... der Karst“ wünschen wir allen Besuchern einen erlebnis- und lehrreichen Aufenthalt und eine schöne Wanderung!

Weitere Informationen zum Karst- und Höhlenlehrpfad finden Sie unter: Opens external link in new windowwww.sah-breitscheid.de  
 
Text: Oliver Heil (sah-breitscheid)
Fotos: Ingo Dorsten (sah-breitscheid)